"Die Tür zurück ist verschlossen,

schau positiv nach vorn,

 an jedem Tag öffnen sich neue Tore."

Herzlich willkommen auf meiner Homepage


Weil ich denke das meine Erfahrungen für Betroffene und deren Angehörige hilfreich sein könnten, schreibe ich auf diesen Seiten ein bisschen aus meinem bisherigen Leben und werde immer mal wieder Stichpunkte aus meinem "neuen Leben" notieren.

Mein Name ist Stefan und ich wohne mit meiner Frau in einer kleinen Stadt im südlichen Niedersachsen. Am 11. Oktober 2012 bekam ich im Alter von 42 Jahren eine eindeutige Diagnose:                      

Ösophaguskarzinom - Speiseröhrenkrebs

Hier schreibe ich nun von meinem Ex - Speiseröhrenkrebs, denn der Tumor wurde nach erfolgreicher Chemo- und Strahlentherapie im Januar 2013 operativ entfernt. Aus medizinischer Sicht bin ich daher wieder "Gesund". Der Krebs ist nicht mehr in meinem Körper, hat aber mein Leben für immer extrem verändert. Seit der unvermeidbaren Operation mit Magenhochzug ist einiges anders als vorher und wird wohl auch für immer so bleiben.

  • Bei der Operation wurden mit dem Tumor unter anderem auch die Gallenblase, die Speiseröhre und der Magen entfernt. Aus einem Teil des Magengewebes, dessen Zellen durch die Bestrahlung nicht belastet waren, wurde ein Schlauch geformt der nun die Speiseröhre ersetzt. Ohne den Magen kann ich daher seit dem nur eine relativ kleine Menge Nahrung aufnehmen. Die täglich benötigte Nahrungsmenge muß ich somit auf etwa 8 bis 10 Mahlzeiten am Tag verteilen. Weil ich seit der OP kein Hungergefühl mehr habe, esse ich im Abstand von 1,5 bis 2 Stunden nach der Uhr. Während der Mahlzeit sowie bis 30 Minuten danach sollte ich nicht trinken, denn ohne Magen fallen die Speisen direkt in den Darm und das wird durch zu große Portionen bzw. mit Getränken vermengtem Essen noch verstärkt. Die Masse führt dort zu einer extremen Dehnung der Darmwand und der Dünndarm entzieht dem Blut massiv Flüssigkeit. Die als Frühdumping bezeichneten und sofort nach der Nahrungsaufnahme eintretenden Folgen sind Darmkrämpfe, Durchfälle und Kreislaufprobleme. Zudem können wegen der fehlenden Vorverdauung wasserlösliche Kohlenhydrate in den Dünndarm gelangen. Diese werden hier aufgelöst und lassen den Blutzucker schnell stark ansteigen. Die Bauchspeicheldrüse reagiert mit einer starken Ausschüttung von Insulin. Nachdem die Kohlenhydrate dann verdaut wurden, ist zuviel Insulin übrig und das führt zu Schwindelgefühl, Zittern und Herzklopfen. Dieses sogenannte Spätdumpingsyndrom zeigt sich meist erst einige Stunden nach Nahrungsaufnahme.
  • Siehe auch: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/magenkrebs/ernaehrung.php#inhalt11

  • Bei der OP wurden auch die Magenverschlußmuskel entfernt. Darum muß ich z.b. beim Schlafen für immer den Oberkörper hochlagern, weil sonst die Speisen oder Verdauungssäfte zurück in den Mund laufen würden. Also besser keinen Kopfstand machen! Zudem muß ich täglich Protonenpumpenhemmer (Pantoprazol) einnehmen, um die Magensäureproduktion zu verringern. Die Reduzierung der Magensäure verschlechtert aber die Calzium-Absorption, wodurch ein stark erhöhtes Risiko für Osteoporose-bedingte Knochenbrüche entsteht. Darum muß zur Vorsicht einmal jährlich meine Knochendichte gemessen werden.

  • Seit der Operation ist mir mir das Heben und Tragen von schweren Lasten nicht mehr gefahrlos möglich. Ein Narbenbruch der Wunden auf dem Bauch und Brustkorb, unter dem rechten Brustbereich, sowie innen am Schlauchmagen und an der Verbindungsstelle könnten jederzeit als Folge einer Überlastung entstehen.

  • Die Aufnahme von Vitamin B12 aus der Nahrung ist mit dem Magenschlauch nicht mehr ausreichend. Daher gibt es regelmäßig eine kleine Spritze dieses Vitamins ins Muskelgewebe.

  • Der implantierte Port wird für mehrere Jahre in meinem Körper verbleiben und muß alle 3 Monate gespült werden.

  • Regelmäßig finden Nachsorgeuntersuchungen statt. Alle 6 Monate wird dann eine "Magenspiegelung" gemacht, die Blutwerte kontrolliert und mein Oberkörper mit Computertomographie bzw. Sonographie untersucht.

Aber auch wenn diese Veränderungen mein weiteres Leben bestimmen, lebenswert ist für mich jeder Tag. Den Komplikationen, z.b. nach der Nahrungsaufnahme, muß eiserner Wille entgegenstehen. Es wäre einfacher zu sagen: "wenn ich nichts esse habe ich auch keine Schmerzen!" Das würde aber ganz sicher mein Leben bald beenden. Also positiv nach vorn schauen und die Dinge nehmen wie sie sind.